Antimilitaristische Aktion am 28.8.

Das Autonome Antimilitaristische Plenum möchte Dich liebe_r Leser_in herzlichst zum antimilitaristischen Gedenken am Samstag den 28.8 um 14h in Laboe am Hafen einladen. Wir wollen mit einem Trauerumzug entlang der Promenade zum „Ehrenmal“ gehen, um dort einen Kranz für die auf See gebliebenen Piraten nieder zu legen.

Zieht Euch angemessen an, bringt Piratenfahnen mit!

Euer Autonomes-Antimil-Plenum Kiel.

Hier der Aufruf zur Aktion:

antimilitaristisches gedenken an die auf see gebliebenen piraten der
weltmeere

Was das „Ehrenmal“ mit den Piraten vor Somalia zu tun hat!

Seit um und bei den 1990er Jahren machen Piraten vor der somalischen Küste von sich reden. Entführte Schiffe, Lösegeldforderungen und ein hysterischer Aufschrei in den Medien. Da klauen sich welche etwas von „unserem“ Eigentum und das bis heute relativ erfolgreich.
2008 beschloss die EU im Rahmen der Mission EU NAVFOR Somalia/Operation Atalanta sechs Kriegsschiffe und drei Seefernaufklärer zur Bekämpfung der Piraterie vor die Küste Somalias zu entsenden. Unter ihnen auch deutsche
Kriegsschiffe. Somalia befindet sich seit annähernd 20 Jahren im permanenten Bürgerkrieg. Durch (Post)Kolonialismus ihre Folgen, Sklaverei, Giftmüllverklappung, dem daraus folgenden Fischsterben und Raubfischerei ist die Bevölkerung ihrer
Lebensgrundlagen beraubt worden. Einige wollen sich nicht mit ihrem Schicksal abfinden und sich in die Wüste legen um zu verrecken. Wenn sie sich nicht auf den gefährlichen und oft aussichtslosen Weg nach Europa machen, um sich ein Stück von dem ihnen geraubten Leben zurück zu holen, versuchen sie ihr Schicksal vor Ort selber in die Hand zu nehmen. In diesem Falle durch den Aufbau einer Alternativökonomie, der Piraterie. Der Tisch ist reich gedeckt. 80% des Welthandels findet auf Schiffen statt. 16.000 Schiffe, 30% aller Öllieferungen für Europa, 7% des gesamten Weltölkonsums pro Jahr, 10% des gesamten Seehandels nehmen den Weg durch den Golf von Aden. Laut der New York Times sollen die Piraten im Jahre 2008 einen Gewinn von 50 Mio. US-Dollar eingefahren haben. Das auch noch steuerfrei! Diese 50 Mio. dürfen natürlich nicht in Somalia sein. Nein. Nein.
Hier nimmt der weltweite Kampf gegen die Armut das Steuer in die Hand. Die Kriegsschiffe der Atalanta Mission sollen das, was hier aufbegehrt und eben nicht verhungern will, abknallen, einschüchtern und ihnen zeigen wer hier „Herr“ im Hause ist. Dabei lassen sie es sich auch nicht nehmen noch mal zynisch nach zu treten. Wird als ein Hauptziel von Atalanta doch
postuliert(1), es gehe um die Sicherung von Hilfgütern. Purer Altruismus (2). Hier wird der Kampf um Handelswege und Machtspähren gegen die Somalis ausgetragen, ist es doch eine der wichtigsten Seehandelsrouten von Europa nach Asien. Dass dies aber nicht offen formuliert, über eine militärische Absicherung und das Führen von Kriegen als Mittel sich Wege zu Rohstoffen frei zu halten, geredet werden darf, musste auch Hörst Köhler einsehen und dankte ab.
Nicht nur am Golf von Aden wird demonstriert, wer das Recht hat über Leben oder Tod, Wohlstand oder Armut zu entscheiden. Dies beansprucht nämlich immer noch der globale Norden(3) samt seines Führungspersonals für sich.
In Afgahnistan scheitert ihr so genanntes „nation buidling“ allerdings an einer Bevölkerung, die zwischen Bomben und Demokratie zurecht einen Zusammenhang herstellen kann. Wie geschehen in Kunduz, als Action Oberst Klein den Menschen dort eine Kostprobe westlicher Demokratie feil bot und mit einem Bombenangriff mal eben 142 Menschenleben „vernichtete“, wie er in seinem Bericht schrieb. Durchaus verständlich, wenn sie den westlichen Werten gegenüber, die ihnen 4000 Euro Entschädigung pro Leiche anbieten, ein wenig skeptisch gegenüber stehen.
Die hohen Werte Menschenrecht und Befreiung der Frauen, mit denen ins Land einmarschiert wurde, sind sehr schnell aus dem medialen Chor geflogen. Waren sie doch eh nur Vorwand, um die Kritik aus der Bevölkerung in Moral zu ersticken. Feministisch kämpfende Frauen in Afghanistan, die ihre Wut nicht nur gegenüber der Unterdrückung im Islam artikulieren, sondern auch gegenüber dem Krieg der selbst ernannten „Befreier“ sind dem nicht besonderes dienlich.
Die Realität Afghanistans, die langsam mit einem modernen Stellungskrieg zu vergleichen ist, entspricht wohl eher nicht den Wunschvorstellungen der Militärstrategen und PolitikerInnen der alliierten Armeen.
Die abgesicherte Ausbeutung der neu entdeckten Lithium- und Kupfervorkommen, unter der Schirmherrschafft einer hörigen Regierung, wird noch einige Tote warten müssen.

Piratenjagd
Am 5. April 2010 wurde das unter deutscher Flagge fahrende Containerschiff Taipan von somalischen Piraten gekapert. Jene wurden von einem holländischen Spezialkommando gekidnappt und nach Holland deportiert. Von da aus wurden die Piraten auf drängen der BRD am 10.6.2010 nach Hamburg gefahren, wo sie vor einen Haftrichter gestellt wurden, der dem ganzen
Zirkus einen rechtstaatlichen Rahmen gegeben hat, und sitzen nun eingesperrt in Hamburg. Die 10 Somalier sollen wegen „versuchten räuberischen Menschenraubes und wegen Piraterie“ angeklagt und verurteilt werden. Dies ist der erste „Piratenprozess“ seit 400 Jahren in Hamburg. Der letzte soll wohl der des Klaus Störtebeker gewesen sein. Im Zuge der Nato-Atalanta Mission wurden eine für uns nicht zugängliche Zahl an Piraten von den Nato-SoldatInnen ermordet, bzw. wie in einem Computerspiel auf den Monitoren auf den Fregatten und Kriegsschiffen gejagt und abgeknallt! Was sich dort abspielt lässt sich aus unserer Perspektive lediglich erahnen.

Warum Ehrenmal? Warum Kiel?

IIm Mai 2009 verhinderte der Deutsche Marinebund (DMB), der das Marineehrenmal in Laboe betreibt, unter Androhung einer Strafanzeige eine Kranzniederlegung des Europaabgeordneten Tobias Pflüger für die Deserteure des Ersten und
Zweiten Weltkrieges und behauptete, dies sei eine „gesinnungspolitische Vereinnahmung des Ortes“.
Ein genauer und kritischer Blick auf die Internetseite der neuen Ausstellung des DMB im Ehrenmal und auf Veranstaltungen wie der „Beste Bootsmann“ der Bundeswehr auf dem Gelände des Ehrenmals lässt aber den wahren Gehalt des DMB und des „Ehrenmals“ durchscheinen. Das Ehrenmal ist nichts anderes als ein mieser, kriegsverherrlichender Ort, wo die Reste der deutschen Kriegsmarine, deren Angehörige und natürlich ihre historische Nachfolgerin, die Marine der Bundeswehr ihren Totenkult zelebrieren können. Dass eine Zeremonie mit 400 Kadetten, Herrn Kriegsminister Guttenberg, einer Ordensverleihung als „bester Bootsmann“ mit ’ner Tschingderassabumkapelle und ’nem Haufen Männer, deren Hirne
nichts anderes kennen als Militarismus, Kriegsgeilheit und Autoritäten, keine „gesinnungspolitische Vereinnahmung des Ortes“ ist, stimmt wohl. Hier kann gar nichts mehr vereinnahmt werden, denn dieser Ort ist schon übervoll mit genau jenem Gedankengut, das hier zelebriert wird!
Was unter anderem nicht nur uns aufgefallen ist, sondern auch einigen Professoren der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, die an dem Konzept der neuen Ausstellung kritisieren, „in zentralen Aussagen nicht tragfähig“ zu sein und „einen unkritischen historischen Ansatz, plakativ-banale ausstellungs- bzw. museumsdidaktische Vorstellungen sowie ein unreflektierten Positivismus in Kontext aktueller außenpolitischer Entwicklungen“ zu besitzen und damit dem DMB Kriegsverherrlichung
bescheinigen.
Um die Verlogenheit des DMBs zu zuspitzen, wollen wir genau an diesem Ort, der „für alle auf See Gebliebenen“ und „ein Ort zum Mahnen und Erinnern“ (DMB) sein soll, einen Kranz für die auf See gebliebenen Piraten niederlegen, welche von jenen besten Bootsmännern die hier sonst geehrt werden vor Somalia abgeknallt werden. Dazu kommt zu guter Letzt ein Angewidert sein, zwischen mit Piratenfahnen bestückten TouristInnen zur Kieler Woche und an der Uferpromenade Laboes den Alltag zu verbringen. All das macht es notwendig, die Widersprüche vor Ort aufklaffen zu lassen.

Kiel ist Kriegsgebiet.
Die Brände die weltweit durch die Verteilung des Reichtums von unten nach oben entfacht wurden, sind nicht mehr zu löschen. Kiel als Marinestandort ist sowohl praktisch durch die Fregatte Schleswig Holstein und einen Versorger an der Piratenjagd vor Somalia vertreten, als auch durch den Think Tank des Kieler Natokompetenzzentrums, wo nach weiteren effektiveren
Möglichkeiten der Piratenjagd geforscht wird, wie auch durch das Testen eines militärischem Radarsystems zur Kieler Woche 2009. Unter anderem ist Kiel ein wichtiger Rüstungsstandort.

Terrorismus oder was?
Jede Form von einem Gegenentwurf, einer Alternative, wird mit Höchstgeschwindigkeit diskreditiert und in die Nähe des Terrorismus gestellt, mit Krieg und Gewalt überzogen, mit dem Ziel der bedingungslosen Unterwerfung unter das kapitalistische Diktat des globalen Nordens. Eine Beschreibung und Bestandsaufnahme der Realität ist unsererseits keine
Sympatiebekundung mit einem „der Feind meines Feindes ist mein Freund“-Schema. Der Kampf ums nackte Überleben endet doch häufig in rassistischer Ausgrenzung, Nationalismus und dem Zementieren patriarchaler Strukturen.
Doch wir stecken mitten drin, auch wenn wir uns in moralischen Höhenflügen ergehen, bei Chips und Bierchen zurück lehnen, die letzten Atemzüge unseres Wohlstand genießen und den Rest der Welt dafür verrecken lassen, wir schreiben unseren Part mit vom Ende der Geschichte.
Das Verrecken lässt sich auf Dauer nur durch eine globalisierte Solidarität von Unten verhindern. In der Anerkennung der Unterschiede und der Gleichheit der Menschen, ihrer Bedürfnisse und Wege welche sie im Zuge ihrer Entfaltung beschreiten.

Keine Ruhe den Kriegstreibern, ihren Profiteuren und ihrer Logik! Für das Leben!

Und das Schiff mit acht Segeln
Und mit fünfzig Kanonen
Wird beschiessen die Stadt.
(aus Dreigroschenoper „Seeräuber Jenny“ B. Brecht)

Kommt zur Aktion am 28.8.2010 um 14h Laboe, Hafen.
Um angemessene Garderobe wird höflichst gebeten.

autonomes antimilitaristisches plenum kiel

Antikriegsdemo am 1.9.2010, 18h Asmus Bremer Platz

(1) Postulat ist ein Grundsatz.

(2)Altruismus: Handeln aus Selbslosigkeit

(3)Globaler Norden:
Mit „globaler Norden“ sind die westlichen großen Nationalökonomien
gemeint, welche noch tonangebend auf der südlichen Halbkugel sind.