Liebe Leser_innen1,

ihr haltet nun die Broschüre „Deutschland im Krieg – die verschiedenen Aspekte einer zunehmend militarisierten Gesellschaft“ in der Hand. Diese Broschüre wird herausgegeben von dem AK Antimilitarismus im libertären Netzwerk Alerta! und der Antimilitarismus Gruppe Celle [AMG].
Anhand des Celler Trialogs lassen sich die verschiedenen Aspekte gut aufzeigen, deshalb orientieren sich unsere Texte an diesem. Uns ist wichtig zu betonen, dass diese Broschüre nicht nur der reinen Mobilisierung dienen, sondern auch darüber hinaus Verwendung finden soll.
Dem entsprechend haben wir versucht ein möglichst umfassendes Bild der Militarisierung unserer Gesellschaft aufzuzeigen und die relevantesten Aspekte in neun unterschiedlichen Texten zu beleuchten. Zunächst soll die Frage geklärt werden was der Celler Trialog überhaupt ist. Im Anschluss beschäftigen sich verschiedene Aufsätze mit der Rechtfertigung von Kriegen durch die „Verteidigung von Wohlstand und Demokratie“; dem Zusammenhang von Militarisierung und Patriarchat; der Transformation der Bundeswehr und der Verwischung von innerer und äußerer Sicherheit. Weitere Texte befassen sich mit Werbung der Bundeswehr; Rüstungs- und Sicherheitsforschung und der Privatisierung von Kriegen. Den Abschluss bildet ein Text zu Möglichkeiten von Widerstand, denn selbstverständlich ist es das Ziel, inhaltlich fundierte Kritik an zu artikulieren und den Kampf gegen Krieg und Militarisierung zu verstärken. Die Reihenfolge der Texte ist absichtlich so gewählt, sodass es durchaus Sinn macht, die Broschüre von Vorne nach Hinten durchzulesen. Trotzdem sind die Aufsätze so gehalten, dass sie auch einzeln gelesen werden können. Bleibt noch zu erwähnen, dass wir aus einigen schon existierenden Texten, mal nur Anregungen, mal Teile wörtlich übernommen haben. Außer bei der gekürzten IMI-Studie „Hochschulen forschen für den Krieg“ von Sarah Nagel, die tatsächlich fast wörtlich abgeschrieben wurde, ist dies nicht kenntlich gemacht. Deshalb wollen wir uns an dieser Stelle bedanken bei: Rote Aktion Kornstraße (RAK) und der Gruppe für die Silvesterdemo gegen innere und äußere Aufrüstung (beide aus Hannover), der Informationsstelle Militarisierung (IMI) aus Tübingen, sowie den bundesweiten Kampagnen gegen die Deutsche Heeres Logistik DHL, Bundeswehr wegtreten! und Kehrt Marsch!
Wir wünschen euch viel Spaß beim lesen und hoffen, dass wir mit dieser Broschüre einen Beitrag leisten können für eine Perspektive jenseits von Militär, Krieg und Kapitalismus.

Euer AK Antimilitarismus im libertären Netzwerk Alerta! und die Antimilitarismus Gruppe Celle [AMG]

1Wir benutzen den Unterstrich wie bei „Leser_innen“, um allen Menschen, die sich nicht in die herrschende Zweigeschlechtlichkeit einordnen können oder wollen einen Raum zu bieten und deutlich zu machen, dass es mehr als zwei Geschlechter gibt.

Die 1. Panzerdivision Hannover ist laut ihrem Selbstverständnis die „Speerspitze des deutschen Heeres“. Sie ist die Division Eingreifkräfte des Heeres mit Sitz in Hannover. Die ihr unterstellten Einheiten sind hauptsächlich in Niedersachsen, aber auch in weiteren Bundesländern stationiert. Seit der Transformation der Bundeswehr ist sie „vor allem für einen Einsatz hoher Intensität gegen einen vorwiegend militärisch organisierten Gegner optimiert“(Homepage Deutsches Heer). Das heißt, sie führt Kampfeinsätze durch. Für diesen Zweck wurde sie von 10.000 auf 19.000 größtenteils freiwillig dienenden Soldat_innen aufgestockt. Die 1. Panzerdivision stellt den deutschen Teil der NATO Quick Reaction Force (QRF) und EU-Battlegroups, die an weltweiten Interventionen, wie aktuell in Afghanistan, beteiligt sind. Momentan sind 4.500 Soldat_innen der 1.Panzerdivision im Auslandseinsatz. Aber auch im Inland ist die 1. Panzerdivision an vorderster Front dabei: Beim G8-Gipfel 2007 in Heiligendamm waren Fennek-Spähpanzer zur Überwachung von Demonstrant_innen im Einsatz.

Die Commerzbank ist das zweitgrößte Finanzinstitut Deutschlands und bemüht sich seit Jahren um einen engeren Schulterschluss zwischen Wirtschaft und Militär. Sie ist die Vorreiterin der deutschen Wirtschaft bei der Umsetzung der Strategie der zivil-militärischen Zusammenarbeit.
Heutzutage vergibt sie innerhalb eines Bankensyndikats, z.B. Kredite an „alliant tech systems“, einem der größten Atomwaffenhersteller der Welt. Dessen Uranmunition wurde u.a. in den (Nato-)Kriegen gegen den Irak (1991) und das ehemalige Jugoslawien (Bosnien, 1994/95) eingesetzt und zerstörten die Lebensgrundlagen der dort lebenden Menschen. Doch die Commerzbank ist nicht erst seit dem Celler Trialog an den Kriegen in aller Welt interessiert: Nach ihrer Verstaatlichung 1931 in Folge der Weltwirtschaftskrise verdankte sie ihre rasche Sanierung und erfolgreiche Reprivatisierung dem NS-Faschismus. Während des 2. Weltkrieges konnte die Commerzbank ihr Fillialnetz in den von der faschistischen Wehrmacht besetzten Gebieten ausweiten, darunter Holland, Belgien, Estland und Lettland.
Am 07. Mai 2009 wurden 25% der Commerzbankaktien von der Bundesregierung aufgekauft. Zudem wird die Commerzbank mit direkten Kapitalhilfen von bisher 18,2 Milliarden Euro gestützt. Die Analogie zur heutigen „Verstaatlichungsdebatte“ im Rahmen der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise muss sich einem geradezu aufdrängen: Damals wie heute werden Schulden vergesellschaftet, Gewinne privatisiert…